Dietrich Klinge: Du und Ich

Galerie Scheffel
2. September 2020 bis 14. November 2020

 

Die Galerie Scheffel zeigt vom 2. Oktober bis zum 14. November 2020 Arbeiten des Bildhauers und Grafikers Dietrich Klinge. Im Fokus der Ausstellung mit dem Titel „Du und Ich“ steht ein aktueller Zyklus von Skulpturen, der das Gesamtwerk des Künstlers abermals erweitert und dabei in eine neue Richtung weist.

Nachdem Dietrich Klinge 2018 in den Jakobshallen der Galerie Scheffel eine repräsentative Auswahl seiner überlebensgroßen Figuren zeigen konnte, präsentiert er nun in den Galerieräumen in der Bad Homburger Ferdinandstraße eine Ausstellung, die das Fragment ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Einer großen Zahl aktueller Arbeiten werden Skulpturen unterschiedlicher Formate aus früheren Schaffensperioden und auch Radierungen an die Seite gestellt.

International bekannt ist Dietrich Klinge vor allem für sein unverwechselbares skulpturales Werk, in dem er sich der menschlichen Figur widmet. Vor dem Hintergrund seiner intensiven Auseinandersetzung mit der langen Tradition dieses Themas in der bildenden Kunst, besetzt Klinge eine ganz eigene Position, die zwischen dem Klassischen und dem Zeitgenössischen vermittelt. Mit seinen abstrakt-figurativen Formen schafft er eine prägnante Bildwelt aus ganzen Figuren, Büsten, Köpfen und auch Reliefs, deren eindringliche Präsenz sich ihrem wesenhaften Ausdruck verdankt. Klinge bildet nicht ab; mit künstlerischer Originalität vergegenwärtigt er vielmehr überzeitliche Empfindungen und widerstreitende seelische Zustände. Seine Werke erzählen von menschlichen Verstrickungen, von Feinsinnigem und Destruktivem, von Schönheit und Vergänglichkeit, Sein und Nichtsein – und bleiben doch stets deutungsoffen.

Klinges bildhauerische Praxis beruht auf der Ausarbeitung von Holzmodellen, die er anschließend in Bronze gießt. Meist bearbeitet er das natürliche Ausgangsmaterial mit der Kettensäge und seine kraftvollen, expressiven Figuren und Körperfragmente in Bronze wirken wie grob behauene Holzkulpturen.

Seit 2018 erweitert Klinge sein Repertoire um eine neue Gruppe von Werken, deren Modelle er vorsichtig aus bereits verottendem, porösen Holz herauslöst. In den vollendeten Bronzen bleibt die Wahrnehmung des Brüchigen erhalten. Eindrucksvoll loten Form und Idee dieser Arbeiten das Potenzial der fragmentarischen Skulptur aus. „Es ist eine Abfolge über Fragment, Zerstörung und Natur“, formuliert Dietrich Klinge – durchaus mit Blick auf gegenwärtige globale Herausforderungen: „Diese Werke handeln von der Zerbrechlichkeit allen Lebens.“

 

Galerie Scheffel
Ferdinandstraße 19
61348 Bad Homburg v.d.Höhe
Deutschland

Öffnungszeiten :
dienstags bis freitags, 14.00–19.00 Uhr
samstags, 11.00–15.00 Uhr (außer am 3.10.2020)

 

 

Dietrich Klinge - Skulpturen, Jean Remlinger - Malerei

GALERIE SCHRADE - Karlsruhe

 

Dietrich Klinge - Skulpturen

Im Werk des 1954 in Heiligenstadt geborenen Bildhauers Dietrich Klinge und auch bei dem 1935 in Straßburg geborenen Malers Jean Remlinger ist das Thema Kopf ein wichtiges Motiv, das sich durch das Gesamtwerk zieht. Deshalb konzentrieren wir uns in dieser Ausstellung mit Werken von zwei Künstlern unterschiedlicher Gattung gezielt auf ein Thema: Köpfe.

Wir freuen uns, Ihnen mit dieser Ausstellung eine besondere Auswahl von Arbeiten des Bildhauers Dietrich Klinge zu präsentieren. Köpfe sind im Lauf von Jahrzehnten immer wieder aufgenommenes Sujet des Künstlers.

Der besondere Reiz dieser Köpfe liegt in ihrer Verblocktheit, der immer etwas Offenes, Unfertiges anhaftet. Die geraden, horizontalen Schnitte, die Kopf und Gesicht oft unterhalb des Kinns und oberhalb der Stirn, am Haaransatz, mutwillig begrenzen, betonen das Fragmentarische, den Stamm, den Holzklotz.

Viele Köpfe, wenn man sie umdreht oder um sie herumgeht, sehen von hinten betrachtet aus wie gerade mit der Kreissäge fürs Holzhacken zurechtgeschnittene Holzklötze. Das Material erinnert ständig daran, dass das menschliche Gesicht nichts einfach Gegebenes ist, das da ist, sondern, dass es etwas Aufgegebenes ist, das nur ist, wenn es der Natur entrissen wird.

 

Jean Remlinger - Malerei

Wir freuen uns, mit dieser Ausstellung eine spannende Auswahl von Arbeiten des Malers Jean Remlinger zu präsentieren. Seit jeher beschäftigt er sich malerisch intensiv mit dem Menschen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dem Kopf, der von Remlinger oft freistehend, einzeln, quasi als autonomer Teil des Körpers, dargestellt wird.

„Seit Beginn der 70er Jahre beherrscht, oft sogar ausschließlich, der menschliche Körper Jean Remlingers Gemälde. Selten ist der Körper ganz dargestellt, meistens als Torso und bruchstückhaft. Die jüngst im Atelier entstandenen Bilder zeigen nahezu gesichtslose Gestalten, oder aber die Gesichter geraten zu Masken, die losgelöst vom Körper die Bildfläche beherrschen. Die Masken, stumme Gesichter ohne jeden Gefühlsausdruck, scheinen ihre Menschlichkeit durch die sie umgebenden Gestalten zu gewinnen.

Alle Werke dieser Reihe vermitteln den Eindruck, als hätte Jean Remlinger aufgehört, noch irgendetwas erzählen zu wollen. In dem Bestreben, nichts als Malerei zu sein, verweigern sie jede Erklärung, nur hier und da lassen sie Hinweise zu.

Die dargestellten Elemente widersetzen sich jeder Bedeutung: als wäre die Gestalt nur Vorwand für die malerische Erfahrung. Auch lassen sich die Bilder weder ideologisch noch mythologisch vereinnahmen oder autobiographisch deuten. Die einzige Geschichte, die sie erzählen, ist die Malerei selber, die der Künstler immer wieder und jedesmal neu erzählt.

Jean Remlingers Werk berührt verschiedene Strömungen des 20 Jahrhunderts, unter anderen die „narrative Figuration“oder in jüngerer Zeit die italienische „Trans-Avantgarde“. Remlingers jüngste Bilder mögen an Francis Bacon erinnern, dessen Gestalten - um Michel Leiris aufzugreifen - jeder epischen Dimension entbehren und kaum anders als im Ruhezustand dargestellt sind.

Aber auch Jean Remlingers zentrales Thema ist ganz offensichtlich der wirkliche, lebendige Mensch, eine Darstellung des Menschen in der Malerei, die allerdings für Abenteuer und Mythos offen ist.“

Sylvie Ramond
Konservatorin des Beaux Art Museum von Lyon Des Beaux Arts - Lyon

 

GALERIE SCHRADE - Karlsruhe

19. September bis 27. Oktober 2020

 

Galerie Schrade

Karlsruhe Zirkel 34 - 40
76133 Karlsruhe
Tel. 0721/1518-774

Öffnungszeiten: nach telefonischer Verabredung